Organspende

Organspende

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Als im Grote- Schuur- Krankenhaus in Kapstadt das erste Herz transplantiert wurde, gab es lange Zeit kein wichtigeres Thema für die Medien. Heute werden jedes Jahr tausende von Organen verpflanzt. Die Organtransplantation ist zum etablierten Bereich der medizinischen Therapie geworden. Und doch sterben in jedem Jahr Kranke, weil das lebensrettende Organ eines Spenders nicht zur Verfügung stand. Die Zahl der Menschen, die im Todesfall ihre Organe für das Leben Anderer zur Verfügung stellen, schrumpft sogar. Liegt es an der fehlenden Information?

Der Arzt und Medizinautor Eberhard J. Wormer hat mit seinem Buch Organspende auf 146 Seiten umfassend zu dem komplexen und oft tabuisierten Thema Stellung bezogen. Beginnend mit einem geschichtlichen Überblick erläutert er mit reichlich Bildmaterial und profunder Sachkenntnis viele Aspekte rund um den Themenkreis Transplantation. Aktuelle Daten und Beschreibungen aus der Immunologie fehlen ebenso wenig wie die Definition(en) des Hirntodes, der organisatorischen Ablauf einer Transplantation oder die juristischen Regelungen. Zu den wichtigsten transplantierbaren Organen:

  • Herz
  • Lunge
  • Nieren
  • Leber
  • Bauchspeicheldrüse
  • Dünndarm

wird der komplette Ablauf der Transplantation beschrieben.

Ein wichtiges Teilthema sind die ethischen Aspekte rund um die Organspende: Wann ist menschliches Leben beendet? Dürfen Ärzte Organe Lebender zu Transplantationszwecken entnehmen? Wer bestimmt die Rangfolge potenzieller Empfänger auf der Warteliste? Wie gerecht ist die Verteilung der zur Verpflanzung verfügbaren Organe? Wie stehen die großen Religionen zur Organspende? Auch dieser Problembereich wird detailliert beschrieben.

Das Buch schließt mit der Vorstellung Prominenter – von Benedikt XVI bis Angela Merkel -, die sich zur Organspende bereiterklärt haben. Natürlich endet das Buch mit zwei Organspendeausweisen zum Selbstausfüllen.

Die Informationsdichte des Buches ist sehr hoch; der fachkundige Leser freut sich über die pointierten Beschreibungen, stellt sich aber gleichzeitig die Frage, ob die Faktenfülle und die durchweg verwendete medizinische Fachsprache den Durchschnittskonsumenten nicht überfordert. Ein Beispiel aus dem Kapitel Immunsystem unter Kontrolle: “MHC- Antigene wurden beim Menschen erstmals auf weißen Blutkörperchen gefunden, heißen deshalb humane Leukozyten- Antigene (HLA). Für die Gewebeverträglichkeit bei Transplantationen sind vor allem HLA- Moleküle der Klasse I (HLA-A, -B, -C) und II (HLA-DR, -DQ, -DP) bedeutsam.” Welche Medikamente nach einer Transplantation die Abstoßung verhindern, ist für die in Akutphase und Nachsorge tätigen Ärzte enorm wichtig. Ob aber das Wissen darüber einem potenziellen Organspender die Entscheidung erleichtert?

In der vorliegenden Konzeption ist das Buch eine wertvolle Informationsquelle für nicht mit der Transplantation primär beschäftigte Ärzte und ähnliche Berufsgruppen, die peripher mit der Problematik konfrontiert werden. Sie werden eine Fülle von Fakten und wertvolle Grundlagen für Gespräche mit möglichen Organspendern erhalten. Diese Gruppe kann allerdings problemlos auf die bebilderte Prominentenliste verzichten. Für den interessierten Laien wird die Dichte des vermittelten Wissens vielleicht erschlagend wirken, die gewählte Sprache das regelmäßige Druchforsten der Glossarien des Internets notwendig machen.

Aber wenn dieses Buch dazu beiträgt, dass nur einige hundert Menschen mehr sich einen Organspendeausweis zulegen, so hat es seinen Sinn erfüllt!

Eberhard J. Wormer
Organspende: Lebensrettende Transplantation

  • Broschiert: 147 Seiten
  • Verlag: Lingen; Auflage: 1., Aufl. (September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783941118508
  • ISBN-13: 978-3941118508
  • ASIN: 3941118501
  • Größe: 18,8 x 13 x 1 cm
  • Preis: 4,95 €


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