Afrika – ein Kontinent im Wandel

Afrika – ein Kontinent im Wandel

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Afrika – das sind die “3 K”, die dem Kontinent oft angehängt werden: “Krieg, Korruption und Krankheit”!

Mit dieser These beginnt das Buch Afrika – Ein Kontinent im Wandel von Ludger Schadomsky. Lässt man sich auf das Leseabenteuer mit diesem Buch, das in der Arena Bibliothek des Wissens erschienen ist, ein, so wird der schwarze Kontinent farbenfroh, problembeladen und äußerst überraschend vorgestellt. Der Autor hat sein Wissen nicht aus Sekundärliteratur erworben; erhat in Köln und Kapstadt Afrikanistik und Politikwissenschaften studiert, erkundete den Kontinent 1994 mit dem Fahrrad und bereist ihn auch heute regelmäßig. Heute leitet er die amharische (äthiopische) Sprachredaktion der Deutschen Welle in Bonn.

126 Seiten plus Glossar plus einer Zeittafel der afrikanischen Geschichte – das erscheint nicht viel, um einen so heterogenen Erdteil vorzustellen. Und doch bringt Schadomsky in lockerer, auch für Jugendliche fassbarer Sprache sowohl die historische Entwicklung als auch die aktuellen Probleme pointiert zum Leser. Beginnend mit der paläontologischen Entdeckung eines 25.000 Jahre alten menschlichen Unterkieferknochens im südostafrikanischen Malawi (1991), mit der die Wiege der Menschheit nach Afrika verlegt wurde, bis zu den aktuellen Problemen mit HIV- Verseuchung und schwierigen politischen Verhältnissen analysiert der Autor knapp, aber höchst verständlich. Immer wieder eingestreute Detailschilderungen von Menschen und Situationen lassen das Lesevergnügen noch ansteigen. Stilistisch erinnert die Diktion ein wenig an die legendäre Kinderfernsehreihe “Die Sendung mit der Maus”: Keine langen Einleitungen und Umwege, sondern locker präsentierte Fakten und Analysen, die durchaus gängigen Meinungen, wie sie von Medien und Politikern verbreitet werden, widersprechen.

So wird die gängige Methode der Entwicklungshilfe, wie sie westliche Staaten (nach Schadomskys Meinung als eine Art Schmerzensgeld nach den Zeiten der kolonialen Unterdrückung) zahlen, als unsinnig und ineffektiv abgetan. Überweise ein Industriestaat hohe Summen an die Regierung eines afrikanischen Landes, so sei gewährleistet, dass dieses Geld nie bei den Bedürftigen ankommt. Er zitiert den Kenianer James Shikwati, der mit seinen Thesen zur Entwicklungshilfe die westliche Welt aufrütteln will: “Stoppt die Entwicklungshilfe. Sofort! Die meisten Afrikaner würden es gar nicht merken, wenn die Gelder gestrichen würden. Sie haben ja bislang auch nichts von dem Geld gesehen.” Statt immer neuer Darlehen, die die afrikanischen Staaten nur tiefer in die Schuldenfalle laufen ließen, sollten die Europäer, Amerikaner und neuerdings auch die Chinesen lieber einen Technologietransfer starten, der die Menschen Afrikas selbst in die Lage versetzt, zu (über-)leben. Schadomsky sieht die Industriestaaten, die mit ihrem gigantischen CO2- Ausstoß den Klimawandel verursachen und so vorwiegend in Afrika zur Versteppung führen, in der Pflicht. Wenn die Industrienationen ihre grüne Technologie auch Afrika zugänglich machen würden, wären viele auf einen Schlag Probleme gelöst.

Botswana wird als Musterland dargestellt, das dank seiner Bodenschätze und einer stabilen Regierung zu ansehnlichem Wohlstand kam. Ein Kapitel widmet sich dem Regenbogen- Experiment von Südafrika, dem Wandel vom Apartheid- Staat zu einem Vielvölkergemisch – auf den Weg gebracht von den Friedensnobelpreisträgern Willem de Klerk und Nelson Mandela. Dabei ist nirgendwo romantische Verklärung zu spüren; alle Probleme werden genau so klar und deutlich angesprochen wie die Erfolge. Überraschend, aber sachlich nachvollziehbar ist der Abschnitt, in dem Frauen auf ihrem Weg in die hohen politischen Ämter und zur Gleichberechtigung dargestellt werden – am Beispiel der ruandischen Parlamentspräsidentin Rose Mukantabana; nach dem von UNO und westlicher Welt weitgehend ignorierten Völkermord am Volk der Tutsi waren 800.000 Männer getötet. Die Frauen/Witwen nutzten die Chance und rückten in einflussreiche Positionen vor.

Auch das Engagement der Afrikaner in Sport, Film, Mode und Literatur kommt nicht zu kurz. Es werden Ansätze, aber auch Lösungen für den schwarzen Kontinent aufgezeigt.

Fazit:

Ein sehr gut lesbares Buch über Geschichte und Gesellschaft Afrikas – für alle, die mehr erfahren wollen als die dürren Schlagzeilen in den Tageszeitungen oder Nachrichtensendungen. Wer einmal gründlich mit Klischees und vorgefassten Meinungen brechen will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Der Verlag täte gut daran, dieses Buch nicht nur für Jugendliche zu empfehlen.

Ludger Schadomsky: Afrika – Ein Kontinent im Wandel

  • Broschiert: 144 Seiten
  • Verlag: Arena (Mai 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3401065270
  • ISBN-13: 978-3401065274
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 13 Jahre
  • Größe: 20,1 x 13,4 x 1,8 cm
  • Preis: 9,95 €


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