Der einzige Mann auf dem Kontinent

Der einzige Mann auf dem Kontinent

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Terézia Mora, wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren. Sie lebt seit 1990 in Berlin und gehört u. a. zu den renommiertesten Übersetzerinnen aus dem Ungarischen. 1999 sorgte sie mit ihrem literarischen Debüt, dem Erzählband Seltsame Materie, für Furore. 2004 erschien der Roman Alle Tage, der ausnahmslos von der Kritik gelobt wurde und großen Anklang bei den Lesern fand.

Der einzige Mann auf dem Kontinent ist die Geschichte von Darius Kopp, der sich am Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts durch sein Leben wurstelt, wie die Autorin es selbst beschreibt. Eine Woche in Berlin. In dieser Zeit entgleitet Darius sein Leben mehr und mehr und alles, was bisher so sicher schien, beruflich wie privat, ist bedroht. Von außen, aber auch durch ihn selbst. Ein zentraler Teil des Geschehens sind vierzigtausend Euro, die ihm, aufgrund eines geplatzten Geschäfts, bar übergeben werden. Die Rückabwicklung erfolgte allerdings ohne Kenntnis seines  Arbeitgebers, der in den USA sitzt. Zufällig schuldet die Firma Darius noch Geld in ähnlicher Größenordnung. Statt sich zu kümmern, lässt er sich treiben, statt zu arbeiten, trifft er sich mit Freunden, statt sich zu sorgen, schwelgt er in kulinarischen Genüssen. Phlegmatisch flüchtet er sich ins Internet und verliert sich in Websites, Links und Netzwerken. Durch seine gesamte Existenz wabbert ein Gefühlsnebel, der alles planvolle Denken überlagert.

Die Autorin spielt mit ständigen kurzzeitigen Perspektivwechseln, eine stilistische Besonderheit, die sie sehr kunstfertig einsetzt. Ihre häufig saloppe Sprache ist der Erzählform und dem Charakter des Protagonisten geschuldet. Dabei  verliert sie sich allerdings nicht so sehr im umgangssprachlichen Milieu, dass man sich Gedanken darüber machen muss, ob sie die deutsche Schriftsprache überhaupt beherrscht oder es sich um eine kreative Marotte handelt, mit der schlechtes Deutsch gern begründet wird. Dass die Autorin der Schriftsprache mächtig ist, wird durch die Szene bekräftigt, in der sie nach einem Satz, der mit dem Wort selber (umgangssprachlich) endet, korrigierend hinzufügt: selbst.

Dass der Roman dennoch sprachlich zu kritisieren ist, liegt eher am Lektorat. Das Wort scheinbar wird mehrfach bedeutungsfalsch eingesetzt und der Genitiv sehr sparsam. Das Wort einpaar (ein paar oder ein Paar) taucht so oft auf, dass ich im Duden nachschlug, um mich zu vergewissern, dass es falsch ist. Man weiß ja heute nie.

Dennoch, die Geschichte wird spannend und humorvoll erzählt. Leider allerdings zu lang. Denn irgendwann reißt die Spannung ab. Es passiert immer dasselbe. Darius Kopp läuft unglaublich dämlich durch die Welt. So interessant er, seine Umwelt und sein Charakter am Anfang sind, mit der Zeit kennt man alles. Nach ca. dreiviertel  des Buches fragt man sich, wohin das alles führen wird und ahnt: zu Nichts. Genauso kommt es.

Leider fehlt das Wesentliche, die Antwort auf die Frage, warum uns die Autorin die Geschichte Darius Kopps erzählt. Gleichwohl ist das Buch ein höchst unterhaltsames Leseerlebnis, vor allem durch die treffenden Beobachtungen und die Erzählweise der Autorin.

Terézia Mora: Der einzige Mann auf dem Kontinent

  • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (17. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3630872719
  • ISBN-13: 978-3630872711
  • Größe: 22 x 15,4 x 3,6 cm
  • Preis: 21,95 €



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