Der Herrscher der zwei Horizonte

Der Herrscher der zwei Horizonte

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Wenn man über Personen der Geschichte wenig oder nichts weiß, so mag dies die Fantasie beflügeln: Was wäre, wenn… ? Eine solche Gestalt ist Setepen-re, die sechste Tochter von Nofretete und Ech-n-aton. Ihr Vater, als Amenophis IV. der neunte Pharao des ägyptischen Neuen Reiches, ist als religiöser Reformator in die Geschichte eingegangen; er führte Aton (die Abendgestalt des Sonnengottes Re) als einzigen Gott in den Götterglauben Ägyptens ein, wenngleich er die alten Götter nicht vollkommen ignorierte. Über Setepen-re wissen die Historiker nur wenig; die meisten Quellen lassen vermuten, dass sie im späten Kindesalter verstorben ist.

Aus dieser Ausgangssituation hat Hans- Peter Kurr eine Erzählung geschaffen, die das alte Ägypten plastisch wiederauferstehen lässt. Zugute kamen ihm dabei sicher seine Studien der Ägyptologie, bevor er sich der Schauspielerei und der Regie zuwandte. In Der Herrscher zweier Horizonte darf Setepen-re weiterleben, wird vom pharaonischen Vater zur weissagenden Priesterin bestimmt, die Erstaunliches vorhersieht. So darf sie in der Geschichte dem Hebräer Moses den Auszug aus Ägypten erlauben und die 10 Plagen, die nach der Verfolgung Moses über das Land fallen, vorhersagen. Sie darf später den späteren Pharao Ramses I. gebären und reist nach einer Botschaft der Hebräer nach Palästina, wo sie an der Seite des Moses- Nachfolgers Joshua den Fall der Stadt Jericho erlebt. Vorher hat sie die Feste Masada am Toten Meer bestaunt und Weisheiten der Essener (, die allerdings erst ein Jahrtausend später Geschichtsgeltung bekamen) vernommen. Selbst die Existenz eines Zimmermannssohnes aus Nazareth sieht sie voraus. Sie reist nach Babylon, um ihre dort verheiratete Schwester zu sehen und das Grab der Semiramis zu sehen, bevor sie nach Ägypten zurückkehrt.

Als Ariadnefaden der Geschichte erscheint der Monotheismus, dem die Königstochter überallhin folgt, auch wenn er in der Geschichte Ägyptens nur eine kurze Rolle spielte; bereits Pharao Tutanchamun machte dem Ein- Gott- Glauben den Garaus. Doch Hans- Peter Kurr spannt einen großen Bogen hinüber zum jüdischen Glauben und zum Christentum, deren Bindeglied Setepen-re ist.

Wenn auch die Übereinstimmung mit historischen Fakten gering ist, zieht die Erzählkunst des Autors den Leser in seinen Bann. In bester orientalischer Tradition wird Reales mit Fiktivem vermischt. Anekdoten und Fabeln reichern den Fortgang der Geschichte an, die der blumenreichen Sprache des Orients nachempfundene Diktion lässt in der Vorstellung des Lesers ein plastisches Bild des alten Ägypten entstehen. Der alten Zeit nachempfundene Lyrik und zitierte Psalmen aus dem Alten Testament lassen das Morgenland und seine Mythen wiederauferstehen.

So kann diese Erzählung sowohl Lesestoff für die Fans historischer Romane sein als auch Ausgangspunkt für weiterführende Lektüre über die Kultur Alt- Ägyptens. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis sowie eine Zeittafel der ägyptischen Hochkultur erleichtern den Einstieg in weiterführende Studien. Zuletzt finden die Anhänger des Monotheismus hier eine interessante Fiktion über den Transport des Ein- Gott- Glaubens aus Ägypten nach Palästina vor.

Hans- Peter Kurr
Der Herrscher zweier Horizonte

  • Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
  • Verlag: Shaker Media
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 386858-581-0
  • ISBN-13: 978-3-86858-581-0
  • Größe: 17 x 24 x 0,8 cm
  • Preis: 11,90 €

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