Eden

Eden

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Sibylle Knauss, geboren 1944, wuchs in Unna, Westfalen, auf und studierte Germanistik und Theologie. Sie ist Autorin zahlreicher Romane, darunter der Bestseller »Evas Cousine«, den die New York Times im Jahr 2002 unter die Books of the Year wählte. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete sie als Professorin an der Filmakademie Baden-Württemberg im Bereich Drehbuch. Sibylle Knauss lebt in der Nähe von Stuttgart.

Zum Roman heißt es im Klappentext: Am Anfang steht eine leidenschaftliche Liebe, als die Archäologen Mary und Louis Leakey aufbrechen, um in Ostafrika nach den Spuren unserer Vorfahren zu suchen. Es ist eine Reise zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte, von der Mary nie wieder zurückkehren wird. Tiefer und tiefer dringt sie in die Geheimnisse unserer Vergangenheit ein, eine Welt, in der das Dasein ein Kampf ums nackte Überleben ist, eine Welt, die alles andere als paradiesisch ist und doch von grandioser Ursprünglichkeit, der Garten Eden unserer vormenschlichen Ahnen… Virtuos verknüpft Sibylle Knauss die dramatische Ehegeschichte der Leakeys mit der archaischen Welt unserer Vorfahren, in der Liebe und Familie erst noch zu erfinden waren.

Soweit auszugsweise der Verlag, und in der Tat, man kann nur bestätigen, dass Sibylle Knauss virtuos ist, in diesem Roman. Aber das wundert bei dieser herausragenden Schriftstellerin nur deshalb, weil man so etwas vorher noch nicht gelesen hat. Man kennt viele Bücher, die eher trivial  daherkommen, wenn es um die literarische Beschreibung der frühen Menschen geht. Ganz anders Sybille Knauss. Ihr bestechender Sprachstil erfordert zwar Konzentration, um den sehr detaillierten Schilderungen zu folgen, aber es fällt bei dieser stilistisch einwandfreien und poetischen Sprache nicht schwer. Spannend ist es außerdem, wenn Ereignissen aus weit vergangener Zeit fiktionales Erleben beigefügt wird, wie beispielsweise am Anfang des Buches, wenn ein Mann, eine Frau und ein Kind auf der Flucht sind. Hinter ihnen spuckt der Berg dunkle Asche und Feuer. Den Flüchtenden fällt das Atmen schwer, aber sie müssen weiter, immer weiter. In der feuchten Vulkanasche sind ihre Fußabdrücke deutlich zu sehen, und Millionen Jahre später, 1978, in der Nähe von Laetoli in Tansania, werden sie von Mary Leakey entdeckt. Die Spuren zweier aufrecht nebeneinander laufender Vormenschen, einer mit großen der andere mit kleinen Füssen, Mann und Frau.

Ihr Leben ist es, das den zweiten Handlungsstrang des Romans bildet. Das Leben der Forscherin Mary Leakey. Sibylle Knauss schildert, wie Mary, den zehn Jahre älteren Louis Leakey kennenlernt und ihm nach Afrika folgt. Er trennt er sich von seiner Frau und heiratet Mary. Aber sie muss erleben, dass er in ihrer Ehe wiederum Affären und Seitensprünge hat, die sie nicht duldet. Sie ist eifersüchtig und verzweifelt, und in einer Art von Ausgleich macht sie ihm mit ihrer Arbeit immer mehr Konkurrenz.

Wie sich Sibylle Knauss in die Forscherin hineindenkt und sie beschreibt ist meisterlich. Gerade auch, wenn sie sie über den ungetreuen Ehemann sinnieren lässt: Es war ein Kern von wahrer Bekümmerung darin, von wahrem Bedauern, dass es nicht anders mit ihnen war. Und es war dieser Kern von Wahrheit in seinen Lügen, der ihren Stolz jedes Mal überwältigte. Gott, wie erleichtert sie war, dass er alles erklären konnte. Es schien plötzlich so einfach, so nachvollziehbar. Vielleicht war er nicht immer ganz unschuldig – welcher Mann war das schon, Mary? – aber diesmal verdächtigte sie ihn ganz grundlos.

Dann weiter über das Fremdgehen ihres Mannes Louis im Zusammenhang mit einer bestimmten Geliebten: Miss Osborne war nicht dumm. Sie nahm Louis’ Scheidungsversprechen als das Äußerste, was ein Mann in seiner Lage zu geben hatte. Als Ausdruck einer Verliebtheit, die auch ihn manchmal delirieren ließ. Es war ihm ernst, keine Frage. Denn selbst in seinen flüchtigsten Affären war immer ein Kern von Liebesernst. Das ist das Geheimnis erfolgreicher Liebhaber.

Sibylle Knauss versteht es, die Gedanken dieser Frau in allen Facetten zu schildern und uns eine außergewöhnliche Forscherin und eine starke Persönlichkeit vorzustellen.

Der Roman lebt davon, dass die beiden Handlungen, das Leben von Mary Leakey und das der prähistorischen Menschen, kapitelweise nebeneinander erzählt werden. Dabei sind die Funde der Forscherin der Kitt, der beides zusammenhält. Wenn in einer Szene der Untergang eines Urmenschen geschildert wird, wie er tot den Fluss hinuntertreibt, sein Skelett im Sediment begraben wird und der Endpunkt die Gegenwart mit dem Auffinden seines Schädels bildet, dann ist das so beeindruckend erzählt, dass man fast atemlos in beiden Zeiten gefangen ist. Die prähistorischen Menschen werden so eindringlich beschrieben, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein.

Aber selbst wenn man die urmenschlichen Erzählungen weglassen würde, der Roman hätte seine Berechtigung allein in der Schilderung des Lebens der Forscherin Mary Leakey.

Sybille Knauss ist mit Eden wieder einmal ein großartiger Roman gelungen.

Sybille Knaus: Eden

  • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe; Auflage: EA, (16. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455401449
  • ISBN-13: 978-3455401448
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 3,4 cm
  • Preis: 22,00 €



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