Haus der Schildkröten

Haus der Schildkröten

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Annette Pehnt, geboren 1967, studierte und arbeitete in Irland, Schottland und den USA. Heute lebt sie als Kritikerin und freie Autorin in Freiburg. Neben Kurzgeschichten veröffentlichte sie 2001 ihren ersten Roman Ich muss los, für den sie unter anderem mit dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet wurde. 2002 erhielt sie für einen Ausschnitt aus ihrem zweiten Roman Insel 34 den Preis der Jury in Klagenfurt.

Haus der Schildkröten. Nach der Lektüre fragt man sich, was das soll. Was wollte uns die Autorin mitteilen?

Regelmäßig dienstags besucht Regina ihre Mutter und Ernst seinen Vater im Altersheim Haus Ulmen. Mitten zwischen Trauer und Liebe, dem drohenden Verlust eines Elternteils und der Endgültigkeit des Todes, lernen die beiden sich kennen, verlieben sich ineinander und verreisen gemeinsam nach Malaysia.

Die Liebesgeschichte ist nicht frei von Zwängen, die, man kann das nur ahnen, im fortgeschrittenem Alter liegt, das auch sie bereits erreicht haben. Man mag sich den Figuren nicht nähern, weil man ahnt: das wird nichts. Sie wirken zwar real, und sind durchaus der Wirklichkeit des normalen Lebens nachempfunden. Aber, man kennt das alles bereits.

Diese Liebesgeschichte als zweiter Handlungsstrang betrachtet die Autorin als notwendig, da ihre Beschreibung alter Leute in einem Altersheim für sich allein wenig hergibt. Das kennt man auch alles schon.

Pehnt schreibt, nicht nur in diesem Buch, ziemlich obenhin. Es fehlen Überraschungen, es fehlt die Spannung.

Der Roman berührt selten. Die Konfrontation mit dem Tod und dem häufig so tabuisierten Kapitel davor: dem Verfall, der Krankheit, dem langsamen Abschiednehmen, hätten mehr Charakterschilderungen von Regina und Ernst vertragen, wenn es der Autorin um das Verhältnis „derer da draußen“ zu „denen da drinnen“ gegangen wäre.

Davon kann ausgegangen werden, denn die Beschreibung der Besucher, die sich „Durch die Drehtür fädeln,“ „Ströme gut frisierter Töchter und Söhne, Schwiegertöchter und Enkel mit geputzten Schuhen“ deutet darauf hin, wenn deren Besuche als Termine im Kalender, als notwenige Pflicht, durch einen raschen „Blick auf die Uhr entlarvt werden, damit sie wissen, wann sie wieder gehen dürfen“.

Selbst die Beschreibung des Pflegepersonals, das unter ständigem Zeitdruck steht und einen despektierlichen Umgang mit den einst Mündigen pflegt, kann nur ein Achselzucken hervorrufen: Selbst das kennt man.

Leider verfügt die Autorin auch nicht über einen Schreibstil, der besonders herausragen würde und für die kontinuierliche Erzählweise gibt es auch keine Punkte.

Ganz finster ist es, wenn Ernst seinen Vater als Gemüse bezeichnet, und daran verzweifelt, was er soeben gesagt hat. Der Begriff Gemüse, den er auf den Vater bezieht, wirkt deplaziert. Im Englischen ist das entsprechende Wort  (Vegetable) für einen Dahinvegetierenden gebräuchlich. Das muss man als deutscher Leser wissen, um die Heftigkeit des Ausbruchs des Sohnes zu verstehen, erst dann ergibt die Passage Sinn (Frau Pehnt würde sagen „macht sie Sinn“…).

Ich weiß, das Buch ist von anderen hochgelobt. Ich kann das Lob nicht nachvollziehen.  Die Autorin widmet sich, wie schon in Mobbing, einen Thema, das Aufmerksamkeit sichert. Allerdings fehlt ihr das Einfühlsame, um den schwierigen Themen auch angemessen literarisches Gehör zu verschaffen.

Annette Pehnt: Haus der Schildkröten

  • Broschiert: 183 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 3 (Mai 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492251048
  • ISBN-13: 978-3492251044
  • Größe: 18,8 x 12 x 2,2 cm
  • Preis: 8,00 €



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