Konzert für die linke Hand

Konzert für die linke Hand

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Der Münchener Schriftstellerin Lea Singer wurde der diesjährige Hannelore-Greve-Literaturpreis, der mit 25.000 Euro einer der höchstdotierten deutschen Preise überhaupt ist, für ihr vielgestaltiges belletristisches Gesamtwerk zuerkannt. Lea Singer, die unter ihrem bürgerlichen Namen Eva Gesine Baur auch eine Reihe bemerkenswerter Sachbücher und Biographien vorgelegt hat, zeichnet sich, wie die Preis-Jury betont,  in ihrer Prosa durch ein ganz ungewöhnliches psychologisches Feingefühl und durch eine reiche Palette sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten aus.

Lea Singer versteht es, so die Jury weiter, mit sicherer Hand, geschickt kalkulierter Dramaturgie und in gepflegt nuancenreichem Stil menschliche Figuren vor uns hinzustellen, die wir in ihrer anrührenden und oft auch krisenhaften Differenziertheit nie mehr vergessen werden.

Zur Entscheidung der Jury beigetragen hat auch ihr letzter Roman, Konzert für die linke Hand.

Im beginnenden 20. Jahrhundert waren die Wittgensteins in Österreich, was die Krupps in Deutschland waren. Der Vater, Karl Wittgenstein, ein seelenloser Gesell, musste mit ansehen, wie zwei seiner Söhne sich ihm durch Freitod entzogen.

Ein anderer, Paul, künstlerisch ambitioniert, wagt sich zu widersetzen. Er will Pianist werden. Ein weiterer, der jüngste, Ludwig, wird ein weltbekannter Philosoph. Lea Singer erzählt vom Erfolg Pauls,  der ein berühmter Pianist wird, obwohl er zu Beginn des Ersten Weltkriegs seinen rechten Arm verlor. Aus dem Buch lernen wir, dass Komponisten wie Paul Hindemith, Benjamin Britten, Sergej Prokofjew, Maurice Ravel oder Richard Strauss Klavierstücke für die linke Hand schrieben, manche extra für ihn.

Lea Singer schildert die Familie, Paul und insbesondere die Tragik der Kriegsverletzung in für sie typischen einfühlsamen Charakterbeschreibungen. Aber ihre Beschreibungen deuten auch auf umfangreiche Recherchen hin. Man findet sich als Leser problemlos in dieser bizarren Familienwelt zurecht, die jedoch mit der damaligen Gesellschaft durchaus konform zu gehen scheint. Einmal begonnen mit dem Lesen, mag man das Buch nicht wieder aus der Hand legen.

Wir erleben mit diesem Roman ein stimmiges und spannendes Bild einer tragischen Familiengeschichte, vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die uns, hundert Jahre später, als unwirklich erscheint.

Dass Lea Singer dieses Buch geschrieben hat, ist für uns Leser ein Glück, und dass sie den bedeutenden Literaturpreis dafür gewonnen hat, nicht nur auch Glück für sie, sondern verdienter Lohn für eine herausragende Autorin der deutschsprachigen Literatur.

Lea Singer: Konzert für die linke Hand

  • Gebundene Ausgabe: 463 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (17. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455401295
  • ISBN-13: 978-3455401295
  • Größe: 21 x 13,6 x 4,2 cm
  • Preis: 22,00 €



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