Kulturmarken 2011

Kulturmarken 2011

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Jahrbuch für Kulturmarketing und Kultusponsoring

Von Dr. Wolf Tekook

Kultur ist schön, Kultur ist wichtig, Kultur ist unverzichtbar! Ob sich Politiker in Sonntagsreden aus dem Fenster lehnen oder die Lenker der Wirtschaft auf ihre Investitionen im Kultursektor berufen: Sie alle halten das Fähnchen der Kulturförderung hoch. Mögen auch die Städtischen Bühnen in mittleren Großstädten in Serie geschlossen werden, weil die große rote Zahl am Ende des städtischen Etats dies vorgibt, die Kultur, sie lebe hoch!

Das hier vorgestellte Jahrbuch Kulturmarken 2011 nennt viele Autoren, die sich dem schwierigen Thema in zwei Schwerpunkten nähern:

  • Kulturinvestitionen
  • Markenentwicklung in der Kultur

Bei den Kulturinvestitionen wird der Public Private Partnership ein hoher Rang eingeräumt. Die öffentliche Hand (Bund, Länder und Kommunen) schließt Verträge mit privaten Unternehmen, die langfristig etwa ein Museum finanzieren und dafür selbst Vorteile genießen können. Am Beispiel des Museum Kunstpalast in Düsseldorf sah dies so aus: Der Energiekonzern E.ON verpflichtete sich, das Museum für einen Zeitraum von 10 Jahren “finanziell, beratend und durch Sachleistungen” zu unterstützen. Im Gegenzug durfte der Konzern ein Grundstück auf dem Museumsgelände (zum marktüblichen Preis) kaufen – und sich als Förderer der Kultur öffentlich positionieren.

Im Gegensatz zu deals dieser Art wird das Mäzenatentum vorgestellt, eine Förderung der Kunst ohne die Erwartung eines ökonomischen oder persönlichen Nutzens als Gegenleistung. Die Autoren dieses Artikels, Eva Nieuweboer und Natalie Junger, bezeichnen diese Art der Förderung zu Recht als ein aussterbendes Betätigungsfeld. Gleichwohl gibt es einzelne Familien wie die des Versandhausunternehmers Otto oder der Verleger Burda, die auf diese Art die Kunstförderung betreiben. Der Görlitzer Oberbürgermeister berichtet gar über einen anonymen Spender, der seit 1995 der Stadt jährlich einen Betrag von 511.500 € (früher 1 Million DM) zukommen lässt – zur Erhaltungder 4.000 Baudenkmäler.

Kultur als Marke – die schöne bunte Welt der Werbung hat längst auch den Kultursektor erreicht. Mit schmissigen Logos, noch aufregenderen headlines und einer ausgefeilten Organisationsstruktur und Strategie wird um Besucher geworben. Ob Deutsches Meeresmuseum in Stralsundoder RUHR.2010 – mit corporate identity und event marketing wird der Markt aufgerollt; ein Heer von Juristen kümmert sich um den Schutz der Logos und Slogans, die Nachhaltigkeit der Marketingeffekte wird in Feldstudien überprüft und verifiziert.

Dann werden die Erfolgreichen vorgestellt:

  • Die Deutsche Bahn – Zukunft bewegen – übernimmt logistische Aufgaben bei RUHR.2010
  • Migros – der Schweizer Konzern veranstaltet alle zwei Jahre ein Festival für zeitgenössischen Tanz
  • Pilsner Urquell – der Bierhersteller unterstützt die Art.Fair- Messe in Köln und richtet einen Fotografiewettbewerb aus
  • Skoda – unterstützt Museen in Frankfurt
  • Der Tagesspiegel – richtet Rhetorikkurse aus und lädt zu Erzählwettbewerben ein
  • Der ZEIT- Verlag – mit Konferenzen und Foren zur Kultur

Der zweite, umfangreiche Teil des Jahrbuchs listet Kulturinstitution auf, die um Sponsoring buhlen – von der Initiative für elektronische Tasteninstrumente e.V. bis zum Basel Tattoo – Kaserne Basel. Jedes Angebot ist ausführlich beschrieben, der Benefit für den Geldausgebenen wird detailliert dargestellt: Zum Beispiel “bis zu 62,8 Millionen Brutto- Webekontakte” – den Tausenderkontaktpreis gibt es schon für 4,21 bis 13,18 € …

Also alles im grünen Bereich in Sachen Kultur? Mit Sicherheit, wenn als Kultur nur das verstanden wird, was mit mindestens sechstelligen Investitionssummen zu erreichen ist. Städte und Gemeinden profitieren, die investierenden Firmen bekommen eine wohlfeile Werbeplattform.

Wer außen vor bleibt bei diesem Spiel mit großen Zahlen, sind die Künstler – von den Top Ten jeder Sparte einmal abgesehen – der Maler in seinem Hausatelier, der Musiker, der sich mit Saisonangeboten durchschlagen muss, der Schriftsteller, der nicht das Glück hatte, zum Bestseller vermarktet zu werden. Sie müssen weiter hoffen, dass die Künstlersozialkasse nicht doch dicht gemacht wird und damit auch eine minimale Alterssicherung gefährdet ist; sie müssen um Aufträge, Verleger und Kunden weiter kämpfen, bis sie schließlich aufgeben und sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen – in der unsicheren Hoffnung auf einen späteren Erfolg.

Das in die Kunst investierte Geld kassieren andere.

Kulturmarken
Jahrbuch 2011

  • Hardcover, Klebebindung: 240 Seiten
  • Verlag: www.kulturmarken.de
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10:
  • ISBN-13:
  • Preis: 48,10 €

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