Liebe und Sommer

Liebe und Sommer

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William Trevor wurde am 24. Mai 1928 geboren. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane und Erzählungen und wurde mit zahlreichen literarischen Preisen ausgezeichnet. Sein Roman Die Geschichte der Lucy Gault (2003), genau wie das vorliegende Buch, Liebe und Sommer, war für den Booker Prize nominiert.

Liebe und Sommer. Ich verstehe das hohe Lob für das neue Buch von William Trevor nicht. Die Figuren in seinem Roman verharren in stiller Verzweiflung. Aber sonst habe ich von dem Buch nicht viel mitgenommen.

Liebe und Sommer spielt in der fiktiven irischen Stadt Rathmoye, in den späten 1950er Jahren. Es zeigt Begegnungen und Ereignisse, die, wenn überhaupt, nur winzige Wellen in einem ansonsten ereignislosen Sommer schlagen. Im Klappentext des Buches heißt es denn auch: „…nicht viel los.“

In der Tat, das ist keine Übertreibung. Das Buch beginnt damit, dass Frau Connulty, die von zentraler Bedeutung für das Leben in Rathmoye war, verstorben ist. Die Connultys sind eine Familie, die von vergangenen Ereignissen verfolgt wird, wie sie typisch für eine Kleinstadt zu sein scheinen. Was durch Dillahan, einem Landwirt, bestätigt wird, der an Schuld und Scham über den Tod seiner Frau und seines Kindes vor einigen Jahren verzweifelt. Obwohl, er hat wieder geheiratet: Ellie, ein Mädchen, das als Haushälterin nach dem Tod seiner Frau eingestellt worden war. Ellie ihrerseits, erheblich jünger als ihr Mann, fühlt: „Es war eine Wohltat, dass ihr die Ehe angetragen worden war“. Aber sie ist noch jung. Die Last der stagnierenden Tage wird ihr bewusst, als ein Fremder im Dorf erscheint. Es ist Florian Kilderry. Er stammt aus dem nahe gelegenen Castledrummond, ist Halbitaliener mit Künstler-Eltern, die allerdings bereits verstorben sind. Ein exotischer Vogel, der mit seinem Fahrrad  durch die Stadt fährt und Aufsehen erregt, weil er fotografiert und mit Ellie spricht.

Dass zwischen Ellie und Florian eine Beziehung entsteht, ist so vorhersehbar wie uninteressant in ihrer Entstehung und Entwicklung. Das muss man nicht lesen.

Etwas dramatische Abwechslung ins Geschehen bringt nur der Charakter des Orpen Wren, eines älteren demenzkranken Mannes. Die Hauptaufgabe, die der Autor ihm zugedacht hat, scheint die Auflockerung des Geschehens zu sein. Außerdem wird er dringend gebraucht für den Schluss, in dem seine wirren Worte Dillahan „mit Entsetzen schlagen“, was für den Leser deshalb unverständlich ist, weil er aus der Handlung vorher weiß, dass Orpen Wen nur dummes Zeug redet. Auch Dillahan wusste das.

Trevor, so heißt es, sei ein beschaulicher Erzähler, der mit Ruhe seine Geschichte entwickelt, ohne die Einzigartigkeit seiner Figuren zu vernachlässigen. Das stimmt, und ist für 220 Seiten gerade noch auszuhalten.

William Trevor: Liebe und Sommer

  • Gebundene Ausgabe: 220 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (17. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455402011
  • ISBN-13: 978-3455402018
  • Originaltitel: Love and Summer
  • Größe: 21 x 13,2 x 2,2 cm
  • Preis: 20,00 €



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