Trank der Vampire

Trank der Vampire

image_pdfRezension als PDFimage_printRezension Drucken

Regionale Krimis haben seit Jahren einen festen und treuen Leserstamm. Das Rezept hierzu ist so einfach wie wirkungsvoll: Man nehme einen gängigen Kriminalstoff – Mord, Entführung, Geiselnahme oder ähnliches -, lasse aber Bösewichte und verfolgende Helden nicht in der Anonymität agieren, sondern verlagere die Schauplätze für den lokalen Kenner nachvollziehbar und mit detaillierter Beschreibung auf den heimischen Wochenmarkt, in die Eckkneipe oder die Fußgängerzone. Folgt dann der Sprachgebrauch noch regionalen Eigenheiten, so ist allein aufgrund des Wiedererkennungseffektes ein treuer Leserstamm gesichert.

Der Krefelder Autor Norbert Potthoff hat in den vergangenen Jahren bereits einige Kriminalromane nach obigem Muster verfasst – flüssig lesbar, Lokalkolorit garantiert. Bei seinem neuen Buch Trank der Vampire behält er das bewährte Muster bei, doch werden dieses Mal keine Unschuldigen dahingemordet, keine Bürgermeister entführt. Stattdessen wird die Heldin des Romans nach einem fehlgeschlagenen Ansiedelungsversuch in Südfrankreich in das Ränkespiel zweier uralter Familien- Klans der Seidenstadt Krefeld einbezogen.

Bei dem Versuch, in ihrer Heimatstadt mit einer Medienagentur wieder Fuß zu fassen, bekommt sie unerwartete und märchenhaft großzügige Unterstützung durch das Haupt der einen Familie; der (in seinem Agieren eher unklare) Gegenpart des zweiten Klans wird vom ihrem Onkel verkörpert. Ihr Gönner erteilt den Auftrag, eine Werbekampagne für ein neues Brausegetränk zu entwickeln, das sie titelgebend Trank der Vampire nennt. Zusammen mit ihrem obskur agierenden Mitarbeiter meistert sie schließlich die Aufgabe.

In diesen Handlungsstrang mischen sich sonderbare Vorfälle – von der Begegnung mit einer Zigeunerin, die in Saintes-Maries de la mèr unerwartet den Segen der jungen Frau erbittet bis zu mehrfachen Andeutungen von auf der Erde lebenden Engeln oder gefallenen Engeln, die sich in das Dasein der Menschen einmischen. Vieles wird vage angedeutet, bleibt unklar. So ist denkbar, dass der letzte Satz dieses Buches “Jetzt fürchte ich, dass die leidige Geschichte weiter geht.” das nächste Buch aus selber Feder ankündigt.

Diesen Roman legt man nach der Lektüre nicht rundum zufrieden zurück; vieles wird angedeutet, weniger wird im Handlungsstrang aufgeklärt. Aber vielleicht bringt der nächste Band die Erleuchtung?

Fazit: Vielleicht der kurzweilig geschriebene Anfang eines Entwicklungsromans mit vielen Prisen Mystik und Esoterik, flüssig geschrieben und mit viel Lokalkolorit zum Gaudium der regionalen Leserschaft angereichert. Am besten gefällt der Versuch, den Wiedererkennungswert von Ortsbeschreibungen und Sprachduktus einmal nicht mit Mord und Totschlag zu verbinden.

Norbert Potthoff
Trank der Vampire

  • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
  • Verlag: res publica artis; Auflage: 1 (2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3928570331
  • Preis: 9,90 €
  • Zu bestellen beim Autor unter potthoff@art-krefeld.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.