Treffen sich zwei

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Iris Hanika, geboren 1962 in Würzburg, lebt seit 1979 in Berlin. Sie war feste Mitarbeiterin der Berliner Seite der FAZ und führt eine Chronik im Merkur. 2006 erhielt Iris Hanika den Hans Fallada Preis.

Bisherige Veröffentlichungen “Katharina oder Die Existenzverpflichtung” (Erzählung, 1992), “Das Loch im Brot” (Chronik, 2003), “Musik für Flughäfen” (Kurze Texte, 2005), “Die Wette auf das Unbewusste oder Was Sie schon immer über Psychoanalyse wissen wollten” (mit Edith Seifert, 2006), “Berlin im Licht. 24 Stunden Webcam” (hg. mit Stefanie Flamm) sowie „Das Eigentliche“ (2010).

Treffen sich zwei ist ein Liebesroman und ein Roman über Berlin-Kreuzberg. Er handelt vom Begehren und von den Ängsten, vom Berufsleben eines Systemberaters und den Zuständen einer begnadeten Heulsuse, die sich unsterblich ineinander verlieben, obwohl, am anderen nicht alles so ist, wie gewünscht. Aber trotzdem haben beide irgendwie genau aufeinander gewartet.

„Iris Hanika ist eine liebevolle und unbestechlich genaue Beobachterin des Gefühlshaushalts von uns Zeitgenossen; und ihr Witz, ihre Genauigkeit und sprachliche Eleganz demonstrieren mit leichter Hand, warum dieses älteste Thema der Literatur uns allen so am Herzen liegt“, so heißt es im Klappentext zum Buch. Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass sie alles das ist und dazu eine hervorragende Autorin. Sie baut die Geschichte kunstvoll auf, spielt mit der Sprache und verwendet Worte, die sie wohl selbst erfunden hat. Mit großer Meisterschaft nutzt sie die Umgangssprache bzw. umgangssprachliche Wendungen, um dann wieder in eine stilsichere Schriftsprache zurückzufinden, wobei sie gar lyrische Sprachelemente einsetzt, die für sich allein schon den Leser begeistern.

Senta hat schon viele Beziehungen gehabt, ihre letzte heißt Rainer, dem sie heftig, aber wieder einmal vergeblich, hinterher weint. Wie sie überhaupt gern und oft weint. Wir erfahren, dass sie sich schnell verliebt, doch bald wieder „entliebt“, weil entweder sie oder die Männer das Weite suchen. Sie träumt immer gleich von der Ehe, Kindern und Familie. Vor allen Dingen weint sie bei jeder Gelegenheit.

Er heißt Thomas, ist Mitte vierzig, arbeitet als Systemberater, (im Buch wird genau beschrieben, was das ist, aber – nicht nur Senta – hat es immer noch nicht ganz verstanden).  Thomas ist Single und lebt in Berlin-Kreuzberg.

Wie Iris Hanika zu Beginn ihres unterhaltsamen und witzigen, dabei doch sehr tiefgründigen Romans diese beiden Protagonisten schildert, ist gleichzeitig lustig und anrührend. Beide kommen, das wird schnell klar, mit ihrem Leben, vor allem ihrem Liebesleben, nicht so richtig zurecht. Dennoch geben sie die Hoffnung nicht auf, und sie scheinen einander diejenigen zu sein, auf die sie schon lange gewartet haben. Seelenverwandt.

Die Autorin verfügt über eine profunde Menschenkenntnis, was man daran merkt wie sie ihre Figuren beschreibt. Sie weiß, worüber sie schreibt. Ihre witzige und ironische Sprache verliert sich nie ins Klamottenhafte, setzt sich stattdessen immer wieder ernsthaft mit den Problemen der Protagonisten, der Gesellschaft oder der Umwelt auseinander. Sie verwendet wunderbare Sprachbilder, kluge Sätze und eine handfeste Ausdrucksweise.

Sie nimmt Auszüge der Weltliteratur auf, was ich bei anderen Autoren oft als Bildungshuberei empfunden habe. Bei ihr allerdings empfinde ich es als ausgesprochen spannend und interessant. Dieses Buch ist zugleich eine leichte Sommerlektüre und ein anspruchsvolles Psychodrama.

Absolut empfehlenswert. Eines der besten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Iris Hanika: Treffen sich zwei

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (8. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442739764
  • ISBN-13: 978-3442739769
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 11,8 x 2,6 cm



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